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Schaan

Das Poliloch

Auf der Schaaner Alp Gritsch war ein Bündner Senn angestellt. Er hiess mit Vornamen Paul und wurde Poli gerufen. Einen Teil der von ihm zu Butter und Käse verarbeiteten Milch versteckte er in einer Höhle südwestlich unterhalb der Alphütte, und im Herbst nach der Alpabfahrt nahm er das Gestohlene mit und verkaufte es im Bündnerland. Seit seinem Tod musste er für diesen Diebstahl in der Höhle, in der er das Diebsgut versteckt hatte, geisten. Noch heute erwartet man Schnee, wenn es aus dieser Höhle herausschreit. Vier Schaaner gingen einmal in die Höhle, um den Poli zu sehen, Als sie sein Geschrei hörten, kehrten sie um und vor der Höhle sahen sie, wie sie rote, geschwollene Köpfe hatten. Auch die Sennen auf Gritsch lässt er nicht in Ruhe. Nachts macht er manchmal mit Viehketten auf dem Dach der Alphütte und des Stalls grossen Lärm. Wenn der Poli auf der Viehweide erscheint und das Vieh mit ausgestrecktem Finger abzählt, kann sich der Hirt sicher sein, dass ein Tier aus der Herde bald irgendwo abstürzt und stirbt.

Das Teufelsloch

Einem Schaaner Bauern wurde die Arbeit auf seinem Acker im Schaaner Riet zuviel. So nahm er ein Angebot des Teufels an, der ihm versprach, in einem Tag seinen Acker zu mähen, allerdings mit der Bedingung, dass die Arbeit vor dem Läuten der Kirche am Abend erledigt sein müsse. Gegen Abend war der Teufel bereits fast fertig mit seiner Arbeit und freute sich auf die Seele, als er von der Benderer Kirche das Abendläuten hörte. Er nahm den Wisbaum vom letzten Fuder Streue und schleuderte ihn im Zorn mit voller Wucht über den Rhein. Sein Zorn und die Wucht des Wisbaums waren so gross, dass sein Geschoss oberhalb von Gams und Sax ein Loch in die Berge schlug.

«Das Teufelsloch», gesprochen von Nicolas Biedermann (Hochdeutsch)

Der Frooshaas

Der Frooshaas, oder auch die Frooshaasen, waren Schreckgespenster für die Kinder. Um die Kinder vor allem abends in Rufweite zu haben, wurde ihnen mit dem Frooshaas gedroht. Dieser sei ein sehr grosser Vogel und habe einen Hasenkopf. Wenn ein Kind noch spät unterwegs war, so hiess es, werde es vom Frooshaas in die Waden gebissen. Der Frooshaas war in Schaan und Balzers aktiv. In Schaan lebten die Frooshaasen im Meder bei den Sidabeerböm und im Ostiloch.

Der Geist beim Lindaplatz

Beim Lindaplatz in Schaan stand ein altes Haus. Man sagte, dass darin ein Geist wohne und niemand getraute sich so richtig, ins Haus zu gehen. In diesem Haus lebte ein Vater mit seinem Sohn. Von seinen Kameraden auf Geister angesprochen, sagte der Sohn einmal, ihm solle so ein Geist nur kommen, er werde dann schnell mit ihm fertig. Eines Abends sassen Vater und Sohn in der Stube, als es an der Tür klopfte. Der Sohn öffnete die Tür, und vor ihm stand ein Geist. Der Geist befahl dem Jungen, eine Haue zu nehmen und ihm zu folgen. Sie gingen zu einer Wiese und dort zu einem Markstein. Der Junge musste für den Geist den Markstein versetzen, und zwar dorthin, wo der Stein früher immer gestanden hatte. Danach dankte der Geist dem Jungen und reichte ihm die Hand. Der Junge aber hielt nur den Stiel der Haue hin, denn einem Geist soll man nie die Hand geben. Danach verschwand der Geist, und zuhause bemerkte der Bub, dass auf dem Holzstiel eine schwarze Hand eingebrannt war. Kurz darauf erkrankte der Bub schwer und starb. Die Haue blieb bis zum Abbruch im Haus und war dann spurlos verschwunden.

«Der Geist beim Lindaplatz», gesprochen in Mundart von Nicolas Biedermann

Der Geist in der Möliholzröfi

Das Gebiet um die Möliholzröfi gehörte früher grösstenteils noch zu Schaan. Es war noch kaum besiedelt. Nur ein reicher Mann hatte dort seinen Hof und die Wiesen und Felder gehörten alle ihm. Einmal kam eine Frau zu ihm und bat um ein Kraut aus seinem Garten, weil ihr Kind krank war und nur dieses Kraut zur Genesung beitragen konnte. Der reiche Bauer aber wies die Frau forsch ab, und das Kind starb. Ein andermal bettelte eine arme Frau um etwas zu essen für ihre Kinder. Wiederum blieb der Bauer hart und die Kinder starben vor Hunger. Auch eine Witwe bat den Mann, dass er ihr einen Knecht schicken könne, um das beschädigte Dach zu reparieren. Auch sie musste erfolglos den Heimweg antreten, und ein Föhnsturm in der folgenden Nacht begrub die Witwe samt ihren Kindern unter dem Dach. Als der Bauer älter wurde, bekam er es mit der Angst zu tun, und er hatte immer mehr das Verlangen zur Möliholzröfi zu gehen. Das Verlangen wurde so gross, dass er sich entschloss hinaufzugehen. Dort erschienen ihm die Geister der Menschen, deren Tod er verschuldet hatte. Plötzlich fing es an zu rauschen und die Rüfe rutschte zu Tal und begrub den Bauern und auch seinen Hof unter sich. Nur seine Bediensteten überlebten, denn diese waren an diesem Abend zum Tanz in Schaan. Noch heute muss der Bauer in Vollmondnächten in der Möliholzröfi geisten, und oft hört man von ihm dann ein furchtbares lautes Jammern.

Der Geist in der Möliholzröfi, gesprochen (hochdeutsch) von Nicolas Biedermann

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