Früher hiess auch die heutige Schimmelgass in Vaduz bis hinauf zur Schlossstrasse Lochgass. Der Name Schimmelgass geht auf eine Sage zurück, wonach dort ein geiziger Bauer gewohnt hatte. Diesem war das Eigentum anderer nicht heilig, und er stahl alles, was er ergattern konnte, sogar Pferde. Einmal ging er sogar in der Heiligen Nacht am 24. Dezember seines Wegs. Über dem Rhein sah er bei einer Kirche einen gesattelten Schimmel angebunden. Sogleich sprang er auf und ritt auf ihm der Lochgass zu. Der Schimmel galoppierte so schnell Vaduz zu, dass seinem Reiter angst und bange wurde. Als das Pferd die Lochgass erreichte, glaubte sich der Bauer bereits am Ziel, doch das Pferd stoppte plötzlich und jäh und der Bauer fiel kopfüber vom Pferd und brach sich das Genick. Noch im Sterben sah er, wie sich der Schimmel in den Teufel verwandelte. Der Bauer musste von nun an als Schimmel in der Lochgasse hinauf und hinunter reiten. Der Spuk hörte erst auf, als man in der Lochgass ein Wegkreuz aufstellte.
Der Schimmel in der Lochgass
Stichwörter:
Bauer,
Lochgass,
Pferd,
Schimmelgass
«Der Schimmel in der Lochgass» erzählt von Margrith Büchel. Aus: Banzer, Roman: Wia ma bi üüs red [Medienpaket]. Eine Tonsammlung der liechtensteinischen Ortsmundarten. Triesen, 1998-2000.
Veröffentlichung mit Genehmigung von Dr. Roman Banzer.

